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Markt und Lage · Österreich

Immobilienmarkt Österreich 2026: Zinsen, Preise, Mieten und was Anleger daraus machen

Mag. Florian KultererStand 09/20267 Min. Lesezeit

Der österreichische Wohnungsmarkt hat 2026 die Korrektur der Jahre 2023 und 2024 hinter sich: Die Preise haben einen Boden gefunden und drehen in den Landeshauptstädten leicht nach oben, die Mieten sind weiter gestiegen, der Neubau ist eingebrochen. Für Anleger ergibt das eine seltene Konstellation: Kaufpreise unter dem Niveau von 2022, Mieten rund 20 % darüber und ein Angebot, das in den nächsten Jahren knapp bleibt. Dieser Artikel ordnet Zinsen, Preise, Neubau, Mieten und Regulierung ein und zeigt die Landeshauptstädte im Überblick.

Zinsniveau: die neue Normalität liegt bei 3 bis 4 %

Die Phase der Nullzinsen ist vorbei und kommt nach heutigem Stand nicht zurück. Die EZB hat den Einlagensatz seit Mitte 2024 schrittweise gesenkt, die Kreditzinsen für Wohnfinanzierungen liegen 2026 grob zwischen 3 und 4 %, je nach Bindung, Laufzeit und Eigenkapital. Das ist historisch kein hohes Niveau, es liegt etwa auf dem Stand der Jahre vor 2010. Für Anleger bedeutet es: Die Finanzierung trägt sich nicht mehr allein aus der Miete, wie es 2019 bis 2021 mit 1 % Zinsen möglich war. Der laufende Ertrag muss gegen die Zinsen gerechnet werden, siehe Finanzierung der Anlegerwohnung.

Wichtig ist der Blick auf die Relation: Eine Bruttorendite von 3,5 bis 4 % bei 3,5 % Zinsen ergibt vor Steuern einen kleinen positiven Hebel, nach AfA und Werbungskosten meist eine steuerliche Null oder einen leichten Verlust in den ersten Jahren. Wer die Wohnung mit 40 bis 50 % Eigenkapital finanziert, ist 2026 in der Regel cashflow-neutral. Wer sie zu 80 % fremdfinanziert, schießt monatlich zu und setzt auf Tilgung und Wertentwicklung.

Preisentwicklung seit 2022: Korrektur, Boden, leichte Erholung

Von 2010 bis Mitte 2022 haben sich die Wohnungspreise in Österreich in etwa verdoppelt, in Wien, Salzburg und Innsbruck noch stärker. Mit dem Zinsanstieg ab Sommer 2022 kippte der Markt. Die Nachfrage brach ein, weil Finanzierungen unter der KIM-Verordnung für viele Haushalte rechnerisch nicht mehr möglich waren. Die Preise sind 2023 und 2024 nominal um grob 5 bis 10 % gefallen, real, also inflationsbereinigt, um rund 15 bis 20 %. Am stärksten betroffen waren Bestandswohnungen mit schlechter Energiekennzahl und Objekte in Randlagen; Neubau in guten Lagen hat kaum nachgegeben, weil das Angebot dort ohnehin dünn wurde.

2025 hat sich der Markt stabilisiert. Die Transaktionszahlen stiegen wieder, zuerst bei Bestandswohnungen unter 300.000 €, dann im Neubau. 2026 zeigen die Angebotsmediane in den Landeshauptstädten leicht nach oben, grob 1 bis 3 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist keine neue Boomphase, sondern eine Bodenbildung mit leichter Erholung. Für Anleger ist das die interessantere Phase: Der Einstiegspreis liegt unter dem Höchststand, die Richtung stimmt, und die Konkurrenz durch Eigennutzer, die 2021 jeden Preis gezahlt haben, ist geringer.

Neubau: der Einbruch bei den Baubewilligungen

Die wichtigste Zahl für die nächsten fünf Jahre ist nicht der Preis, sondern die Baubewilligung. Die Zahl der bewilligten Wohnungen hat sich gegenüber dem Höchststand 2019 bis 2021 in etwa halbiert und lag 2024 und 2025 auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Die Gründe: gestiegene Baukosten, teure Zwischenfinanzierung, verschärfte Bauordnungen und Bauträger, die Projekte zurückgestellt oder abgesagt haben. Fertigstellungen folgen der Bewilligung mit zwei bis drei Jahren Verzögerung, deshalb kommt der Angebotsrückgang erst 2026 bis 2028 voll auf dem Mietmarkt an.

Gleichzeitig wächst Österreich weiter, Wien um rund 20.000 Personen pro Jahr, Graz und Linz stabil. Die Schere zwischen Haushaltszuwachs und Fertigstellungen ist der Kern der Anlegerthese 2026: Wer heute kauft, vermietet in einen Markt hinein, in dem Neubaukonkurrenz für Jahre fehlt. Bauträger, die trotzdem bauen, verkaufen an Anleger mit klaren Konditionen; unsere Bauträger-Partner konzentrieren sich auf kleine bis mittlere Wohnungen in Lagen mit Schienenverkehr, siehe aktuelle Projekte.

Mieten: der Gegenläufer zum Kaufpreis

Während die Kaufpreise fielen, sind die Mieten gestiegen. Angebotsmieten für Bestandswohnungen mit freiem Mietzins liegen 2026 in Wien bei rund 14 bis 17 €/m² netto, in Graz um 13 €/m², in Linz zwischen 10 und 14 €/m², jeweils rund 15 bis 25 % über 2021. Treiber: Zuzug, weniger Neubau, Haushalte, die den Kauf verschoben haben und länger mieten, und die Wertsicherung bestehender Verträge über die Inflation der Jahre 2022 und 2023.

Die Kombination aus gesunkenen Preisen und gestiegenen Mieten hat die Bruttorenditen um rund einen halben bis einen Prozentpunkt angehoben. Wien Bestand liegt bei 2,5 bis 4 %, Graz und Linz bei 3 bis 4,5 %, Klagenfurt und St. Pölten bei 3,5 bis 4,5 %. Das sind Angebotsmediane, keine Kaufvertragspreise; die tatsächliche Rendite entscheidet sich beim Einzelobjekt, siehe Rendite berechnen.

Regulierung: Ende der KIM-V, Mietpreisbremse

Zwei Regelungen prägen 2026. Erstens ist die KIM-Verordnung mit 30. Juni 2025 ausgelaufen. Die Banken müssen die Vorgaben von 20 % Eigenkapital, 40 % Schuldendienstquote und 35 Jahren Laufzeit nicht mehr als Verordnung einhalten, orientieren sich aber weiter daran; die FMA beobachtet die Vergabe. In der Praxis sind Finanzierungen wieder etwas flexibler, vor allem bei Anlegern mit Bestandsvermögen, deren Mieteinnahmen die Bank nun stärker anrechnet.

Zweitens die Mietpreisbremse: Richtwert- und Kategoriemieten waren 2025 eingefroren, steigen 2026 um 1 % und 2027 um 2 %, ab 2028 gilt ein Deckel bei hoher Inflation. Für frei vereinbarte Mieten gilt ab 2026 eine gedämpfte Indexierung. Betroffen ist damit vor allem der Altbau mit Richtwert; Neubau und Eigentumswohnungen nach 1945 im Teilanwendungsbereich des MRG behalten den freien Mietzins bei Neuvermietung. Anleger, die Bestand kaufen, sollten die Wertsicherungsklausel im Mietvertrag daran anpassen, siehe Mietrecht für Anleger.

Landeshauptstädte 2026 im Überblick

StadtKaufpreis Bestand €/m²Miete €/m² nettoBruttorenditeEinordnung
Wien3.600–6.00014–172,5–4 %Größter Markt, Zuzug, Neubau-Lücke; Außenbezirke an U-Bahn
Graz3.500–4.500 (Median rund 5.400, Neubau dominiert)rund 133–4 %Universitätsstadt, viel Neubau in Reininghaus, gute Bestandslagen
Linz3.500–4.50010–143–4,5 %Industrie und Uni, stabile Nachfrage, moderate Preise
Salzburg5.500–7.50015–182,5–3,5 %Knappes Angebot, hohe Preise, Wertstabilität statt Rendite
Innsbruck6.000–8.00016–192,5–3,2 %Teuerster Markt, Uni und Tourismus, geringe Rendite
Klagenfurt3.200–4.20010–123,5–4,5 %Günstiger Einstieg, Uni und Verwaltung, weniger Zuzug
St. Pölten3.000–4.00010–123,5–4,5 %Pendlerlage zu Wien, FH, Preise steigen vom niedrigen Niveau

Alle Werte sind Angebotsmediane 2026 mit Stand September, keine Kaufvertragspreise. Städteprofile: Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt.

Ausblick: was 2026 bis 2028 wahrscheinlich ist

  • Preise: moderate Erholung in den Landeshauptstädten, grob 2 bis 4 % pro Jahr nominal, stärker bei energieeffizientem Bestand und Neubau, schwächer bei Sanierungsfällen. Keine Rückkehr zu den Zuwächsen von 2020 und 2021.
  • Mieten: weiter steigend, weil die Fertigstellungen bis 2028 niedrig bleiben. Der Mietanstieg dürfte den Preisanstieg übertreffen, was die Renditen stützt.
  • Zinsen: Seitwärtsbewegung um 3 bis 4 %. Wer eine Fixzinsbindung von 10 bis 15 Jahren bekommt, sichert die Kalkulation ab, siehe Fixzins oder variabel.
  • Risiken: eine erneute Inflationswelle mit Zinsanstieg, strengere Sanierungspflichten aus der EU-Gebäuderichtlinie für den schlechtesten Bestand bis 2030 und 2033, und politischer Druck auf die Mieten über die Mietpreisbremse hinaus.

Die richtige Reaktion darauf ist keine Prognosewette, sondern Auswahl: Lage mit stabiler Nachfrage, Energieausweis mit gutem HWB, freier Mietzins und eine Finanzierung, die auch bei 4,5 % Zinsen trägt. Die steuerliche Gestaltung, insbesondere Vorsteuerabzug und Prognoserechnung beim Neubau, prüft Ihr Steuerberater am konkreten Objekt.

Wenn Sie Ihr Budget und Ihre Zielregion im Anlegerprofil hinterlegen, erhalten Sie passende Objekte vor der Veröffentlichung, darunter Off-Market-Wohnungen aus dem Bestand unserer Partner. Wie sich Kaufpreis, Miete und Zinsen 2026 für Sie rechnen, zeigt der Rechner in wenigen Minuten.

Häufige Fragen

Sind die Immobilienpreise in Österreich 2026 gefallen oder gestiegen?

Nach dem Rückgang 2023 und 2024 um nominal grob 5 bis 10 % haben sich die Preise 2025 stabilisiert und steigen 2026 in den Landeshauptstädten leicht, etwa 1 bis 3 % gegenüber dem Vorjahr. Das Niveau liegt weiter unter dem Höchststand von 2022, die Mieten liegen rund 15 bis 25 % über 2021.

Ist 2026 ein guter Zeitpunkt, eine Anlegerwohnung zu kaufen?

Die Konstellation ist günstiger als 2021: niedrigere Preise, höhere Mieten, wenig Neubau. Nachteil sind die Zinsen von 3 bis 4 %, die eine Finanzierung zu 80 % nicht mehr aus der Miete tragen. Wer 40 bis 50 % Eigenkapital einsetzt und eine Lage mit Zuzug wählt, kauft 2026 in einen knappen Mietmarkt hinein.

Was bedeutet das Ende der KIM-Verordnung für Anleger?

Seit 1. Juli 2025 sind 20 % Eigenkapital, 40 % Schuldendienstquote und 35 Jahre Laufzeit keine Verordnung mehr, sondern Orientierung der Banken. Finanzierungen sind etwas flexibler, vor allem wenn Mieteinnahmen aus Bestandsobjekten angerechnet werden. Eine Rückkehr zu Vollfinanzierungen gibt es nicht.

Wie wirkt die Mietpreisbremse auf Anlegerwohnungen?

Sie trifft vor allem Richtwert- und Kategoriemieten im Altbau: 2025 eingefroren, 2026 plus 1 %, 2027 plus 2 %, ab 2028 Deckel bei hoher Inflation. Frei vereinbarte Mieten im Neubau und bei Eigentumswohnungen ab 1945 bleiben bei Neuvermietung frei, die laufende Indexierung ist ab 2026 gedämpft.

Welche Stadt hat 2026 die beste Rendite?

Die höchsten Bruttorenditen liefern Klagenfurt, St. Pölten, Linz und die Außenbezirke von Graz und Wien mit 3,5 bis 4,5 %. Salzburg und Innsbruck liegen bei 2,5 bis 3,5 % und punkten mit Wertstabilität. Die Angaben sind Angebotsmediane, keine Kaufvertragspreise.

Mag. Florian Kulterer

Mag. Florian Kulterer, staatlich geprüfter Immobilientreuhänder, geschäftsführender Gesellschafter der iX immo GmbH (IMMOXX), Graz. Seit 2003 in der Vermittlung von Anlegerwohnungen, selbst breit investiert. Mehr

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information auf dem Stand 2026-09 und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung im Einzelfall. Zahlen sind Richtwerte.

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